Lektion 5: Wie HTF Zonen den Bias beeinflussen

HTF Zonen

Ăśber diese Lektion

Nachdem wir Weekly FVGs, Daily FVGs und HTF Liquidität betrachtet haben, stellt sich eine wichtige Frage:

Was passiert eigentlich, wenn mein aktueller Bias auf eine relevante HTF Zone trifft?

Genau an diesem Punkt beginnt meiner Meinung nach die eigentliche Analyse. Viele Trader betrachten ihren Bias als feste Meinung. Sobald sie bullisch oder bärisch sind, suchen sie nur noch nach Bestätigungen für diese Richtung. Der Markt funktioniert jedoch nicht so einfach.

Eine Beobachtung, die sich immer wieder zeigt, ist die Tatsache, dass HTF Zonen häufig die Fähigkeit besitzen, einen bestehenden Bias infrage zu stellen. Das bedeutet nicht automatisch, dass sich der Markt drehen muss. Es bedeutet lediglich, dass ich aufmerksamer werde und beginne, die aktuelle Marktbewegung kritischer zu betrachten.

Nehmen wir als Beispiel einen bullischen 4H Bias.

Der Markt bildet Higher Highs und Higher Lows. Momentum ist vorhanden und die Struktur wirkt gesund. Viele Trader wĂĽrden nun ausschlieĂźlich nach Long Setups suchen.

Stell dir jetzt vor, dass sich der Markt gleichzeitig einer relevanten Weekly iFVG nähert.

An diesem Punkt verändert sich meine Denkweise.

Ich suche nicht mehr zwanghaft nach Longs.

Ich suche aber auch noch nicht nach Shorts.

Stattdessen beginne ich zu beobachten.

Genau das ist der Unterschied.

Die Weekly Zone zwingt mich nicht zu einer neuen Meinung. Sie zwingt mich lediglich dazu, aufmerksam zu werden.

Ab diesem Moment interessieren mich Fragen wie:

  • Bleibt das Momentum erhalten?
  • Werden neue Hochs weiterhin aggressiv gekauft?
  • Entstehen auffällige Dochte?
  • Wird die Zone respektiert oder ignoriert?
  • Verändert sich die Marktstruktur?
  • Baut der Markt neue Liquidität auf?

Je mehr Hinweise auf eine mögliche Veränderung entstehen, desto vorsichtiger werde ich mit meinem ursprünglichen Bias.

Wichtig ist dabei zu verstehen, dass ich einen Bias niemals ausschließlich aufgrund einer Zone ändere.

Eine Weekly FVG alleine macht mich nicht bärisch.

Eine Daily iFVG alleine macht mich nicht bullisch.

Der Markt muss diese Zone zunächst respektieren und mir zeigen, dass sie tatsächlich relevant ist.

Genau hier machen viele Trader Fehler. Sie sehen eine HTF Zone und versuchen sofort den Richtungswechsel zu handeln. Rückblickend betrachtet war das auch einer meiner größten Fehler. Ich wollte oft den ersten Tick einer Umkehr erwischen und wurde dadurch unnötig häufig ausgestoppt.

Heute betrachte ich HTF Zonen anders.

Sie liefern mir Aufmerksamkeit.

Die eigentliche Entscheidung entsteht erst durch die Reaktion des Marktes.

Besonders interessant wird es, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten.

Stell dir vor:

  • Bullischer 4H Bias
  • Markt erreicht eine Weekly FVG
  • Oberhalb befindet sich markante Weekly Liquidität
  • Momentum beginnt sichtbar nachzulassen

In solchen Situationen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der aktuelle Bias zumindest hinterfragt werden sollte.

Das bedeutet jedoch noch nicht, dass ich sofort Short gehe.

Ich beginne lediglich, alternative Szenarien zu berĂĽcksichtigen.

Genau diese Flexibilität ist ein wichtiger Bestandteil der MSCM Strategie.

Der Markt schuldet uns keine Bestätigung unserer Meinung.

Unsere Aufgabe besteht nicht darin, Recht zu behalten.

Unsere Aufgabe besteht darin, die aktuell wahrscheinlichste Geschichte des Marktes zu erkennen.

Was bedeutet das jetzt fĂĽr deine Analyse?

Wenn du einen Bias festgelegt hast, solltest du diesen niemals isoliert betrachten.

Frage dich stattdessen regelmäßig:

  • Wo befindet sich der Markt aktuell?
  • Nähert er sich einer relevanten HTF Zone?
  • Wird wichtige Liquidität angelaufen?
  • Entstehen neue Informationen?
  • Passt mein Bias noch zum aktuellen Kontext?

Sobald der Markt eine relevante HTF Zone erreicht, solltest du aufmerksamer werden.

Nicht weil du handeln musst.

Sondern weil der Markt möglicherweise beginnt, eine neue Geschichte zu erzählen.

Praxisbeispiel

Stell dir vor, der Markt reagiert am Montag auf eine Weekly FVG und startet anschließend eine starke Aufwärtsbewegung.

Dienstag und Mittwoch bleibt der bullische Bias vollständig intakt.

Am Donnerstag erreicht der Markt jedoch eine groĂźe Weekly iFVG sowie ein markantes Weekly Hoch.

Nun beobachtest du plötzlich:

  • Die Aufwärtsbewegungen werden kleiner.
  • RĂĽcksetzer werden stärker.
  • Das Momentum nimmt ab.
  • Neue Hochs werden nicht mehr aggressiv gekauft.

Viele Trader wĂĽrden weiterhin blind nach Long Setups suchen, weil der ursprĂĽngliche Bias bullisch war.

Innerhalb der MSCM Strategie beginnt hier jedoch die eigentliche Analyse.

Du wirst aufmerksam.

Du beobachtest.

Du sammelst Informationen.

Und erst wenn der Markt die Veränderung bestätigt, beginnst du darüber nachzudenken, ob der bisherige Bias möglicherweise nicht mehr die höchste Wahrscheinlichkeit besitzt.

Genau deshalb beeinflussen HTF Zonen den Bias so stark. Sie liefern nicht automatisch eine neue Richtung. Sie zeigen dir lediglich, wann du besonders genau hinschauen solltest.

Und häufig entstehen genau dort die wichtigsten Entscheidungen des gesamten Marktes.

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