Lektion 3: Operative FVGs & iFVGs richtig auswählen
Über diese Lektion
Nachdem ich meinen HTF Bias bestimmt und den 4H analysiert habe, beginnt der nächste Schritt meiner Strategie. Jetzt suche ich nach den operativen Bereichen, auf denen ich später meinen Einstieg aufbauen möchte. Genau hier machen viele Trader den Fehler, jede neu entstehende FVG oder iFVG einzuzeichnen und dadurch ihren Chart völlig zu überladen.
Ich verfolge einen anderen Ansatz. Mein Ziel ist es nicht, möglichst viele Imbalances zu markieren, sondern die Bereiche zu finden, die am besten zum aktuellen Marktkontext passen. Eine FVG besitzt für mich keinen Wert, nur weil sie existiert. Erst wenn sie mit meinem HTF Bias, der Marktstruktur und dem bisherigen Verlauf übereinstimmt, wird sie überhaupt interessant.
Deshalb frage ich mich bei jeder neuen operativen FVG zunächst, warum sie entstanden ist. Entstand sie nach einer impulsiven Bewegung? Wurde dabei eine wichtige Struktur durchbrochen? Passt sie zu meiner Analyse auf Weekly und Daily? Unterstützt sie die Geschichte, die mir der Markt bereits erzählt? Kann ich diese Fragen nicht klar beantworten, verliert die Imbalance für mich deutlich an Bedeutung.
Eine Beobachtung, die sich immer wieder zeigt, ist, dass während einer größeren Bewegung häufig mehrere operative FVGs entstehen. Viele Trader fragen mich deshalb, welche davon ich eigentlich bevorzuge. Die Antwort darauf ist nicht so einfach, denn ich arbeite bewusst nicht mit einer festen Regel.
Grundsätzlich beginnt meine Analyse zunächst bei der frischesten operativen FVG. Dort schaue ich als Erstes, ob der Markt eine erkennbare Reaktion zeigt. Entsteht dort Momentum? Wird die Zone respektiert? Entwickelt sich daraus möglicherweise mein gewünschtes Setup?
Zeigt der Markt jedoch keinerlei Interesse und läuft nahezu problemlos durch diese FVG hindurch, zwinge ich den Trade nicht. Stattdessen richte ich meine Aufmerksamkeit auf die nächste operative FVG und beobachte erneut, wie sich der Markt verhält. Ich lasse mir vom Markt zeigen, welche Zone aktuell relevant ist, anstatt mich im Voraus auf eine einzige Möglichkeit festzulegen.
Aus meiner Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass der Nasdaq häufig zur ersten operativen FVG einer größeren Bewegung zurückkehrt. Genau an dieser Stelle wurde oft der eigentliche Impuls ausgelöst oder eine wichtige Marktstruktur durchbrochen. Deshalb besitzt diese erste FVG häufig eine besonders hohe Relevanz. Trotzdem gilt auch hier wieder derselbe Grundsatz: Nur weil eine Zone in der Vergangenheit häufig funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass sie auch diesmal respektiert werden muss.
Genau das ist einer der wichtigsten Unterschiede meiner Strategie. Ich entscheide nicht im Voraus, welche FVG funktionieren wird. Ich bereite mich lediglich auf verschiedene Möglichkeiten vor und lasse den Markt anschließend entscheiden. Dadurch bleibe ich flexibel und vermeide es, mich zu früh auf ein bestimmtes Szenario festzulegen.
Mit der Zeit wurde mir klar, dass weniger häufig mehr ist. Früher habe ich nahezu jede interessante Imbalance markiert. Heute befinden sich auf meinem Chart oft nur wenige operative Bereiche. Dafür weiß ich genau, warum sie dort liegen und welche Rolle sie innerhalb meiner Analyse spielen. Ein sauberer Chart führt fast immer zu besseren Entscheidungen.
Was bedeutet das jetzt für deine Analyse?
Wenn du auf dem 4H mehrere operative FVGs oder iFVGs erkennst, markiere sie zunächst und versuche nicht sofort zu entscheiden, welche davon funktionieren wird. Beginne deine Beobachtung bei der frischesten Imbalance und analysiere die Marktreaktion. Zeigt der Markt dort keine Schwäche oder Stärke und durchläuft die Zone nahezu ohne Widerstand, richte deine Aufmerksamkeit auf die nächste operative FVG.
Behalte dabei immer den HTF Kontext im Hinterkopf. Die beste operative FVG ist nicht zwangsläufig die erste oder die letzte. Die beste operative FVG ist diejenige, die vom Markt tatsächlich respektiert wird.
Praxisbeispiel
Stell dir vor, der Nasdaq reagiert bullisch auf eine Weekly FVG und startet eine starke Aufwärtsbewegung. Während dieser Bewegung entstehen auf dem 4H drei neue bullische FVGs.
Ich beginne meine Analyse zunächst bei der frischesten FVG. Kommt der Markt dorthin zurück und zeigt eine saubere Reaktion, kann daraus ein interessantes Long-Setup entstehen.
Läuft der Markt jedoch nahezu ohne Gegenwehr durch diese Zone hindurch, zwinge ich den Einstieg nicht. Stattdessen beobachte ich die nächste operative FVG. Aus meiner Erfahrung wird besonders die erste FVG einer größeren Bewegung häufig erneut angelaufen, da dort oftmals der eigentliche Ausbruch oder ein wichtiger Strukturbruch stattgefunden hat.
Genau deshalb versuche ich niemals vorherzusagen, welche Zone funktionieren wird. Ich bereite mehrere Szenarien vor und lasse den Markt entscheiden. Meine Aufgabe besteht nicht darin, Recht zu behalten. Meine Aufgabe besteht darin, die Bereiche mit der höchsten Wahrscheinlichkeit vorzubereiten und anschließend objektiv auf das zu reagieren, was der Markt mir zeigt.

