Lektion 5: Das Zusammenspiel von 4H und 1H
Ăśber diese Lektion
Bis zu diesem Punkt haben wir gelernt, welche Aufgabe der 4H und welche Aufgabe der 1H innerhalb der MSCM Strategie besitzen. Jetzt stellt sich jedoch eine entscheidende Frage: Wie kombiniere ich beide Zeiteinheiten sinnvoll miteinander?
Genau hier machen viele Trader einen Fehler. Sie betrachten den 4H und den 1H als zwei voneinander unabhängige Charts. Entsteht auf dem 1H eine interessante FVG, wird diese sofort gehandelt, obwohl sie möglicherweise komplett gegen den 4H oder sogar gegen den HTF Bias arbeitet. Dadurch entstehen häufig Trades, die zwar auf einem kleineren Timeframe gut aussehen, innerhalb des Gesamtbildes jedoch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit besitzen.
Innerhalb der MSCM Strategie arbeiten der 4H und der 1H deshalb niemals gegeneinander. Beide Zeiteinheiten verfolgen dieselbe Aufgabe und ergänzen sich gegenseitig. Der 4H liefert mir den operativen Bereich, der 1H zeigt mir anschließend die feineren Strukturen innerhalb dieses Bereichs. Erst durch dieses Zusammenspiel entsteht für mich eine vollständige Analyse.
Deshalb beginne ich meine Analyse immer auf dem 4H. Dort markiere ich die operativen FVGs und iFVGs, die zu meinem HTF Bias passen. Erst danach öffne ich den 1H und überprüfe, ob sich innerhalb dieser größeren Bereiche weitere interessante Strukturen befinden. Genau dadurch entsteht eine deutlich präzisere Analyse, ohne den eigentlichen Kontext aus den Augen zu verlieren.
Eine Beobachtung, die ich immer wieder gemacht habe, ist, dass der Markt häufig nicht exakt auf einer 4H FVG reagiert. Stattdessen läuft er einige Punkte tiefer oder höher, respektiert dort jedoch eine 1H FVG oder ein 1H iFVG innerhalb derselben Zone. Wer ausschließlich den 4H betrachtet, könnte in diesem Moment glauben, dass die Zone bereits gebrochen wurde. Durch den zusätzlichen Blick auf den 1H erkenne ich jedoch häufig, dass der Markt die übergeordnete Idee weiterhin respektiert und lediglich den präziseren Bereich anläuft.
Wichtig ist dabei, dass ich den 1H niemals höher priorisiere als den 4H. Der 1H dient ausschließlich dazu, den operativen Bereich weiter einzugrenzen. Entsteht auf dem 1H plötzlich eine Struktur, die überhaupt nicht mehr zu meinem HTF Bias oder meinem 4H Kontext passt, beginne ich nicht sofort umzudenken. Stattdessen hinterfrage ich zunächst, ob es sich lediglich um eine kurzfristige Bewegung handelt oder ob sich tatsächlich das größere Marktbild verändert. Genau deshalb bleibt der HTF Bias immer die Grundlage meiner Analyse.
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass die besten Setups häufig dann entstehen, wenn alle Zeiteinheiten dieselbe Geschichte erzählen. Weekly und Daily liefern den Bias, der 4H definiert den operativen Bereich und der 1H bestätigt diesen Bereich zusätzlich mit einer präziseren Struktur. Genau in diesen Situationen steigt für mich die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt meine Analyse respektiert.
Was bedeutet das jetzt fĂĽr deine Analyse?
Betrachte den 4H und den 1H niemals als Konkurrenz. Beide Zeiteinheiten haben unterschiedliche Aufgaben. Beginne immer mit dem größeren Bild und arbeite dich anschließend Schritt für Schritt weiter nach unten.
Markiere zunächst deine operativen Bereiche auf dem 4H und prüfe anschließend auf dem 1H, ob innerhalb dieser Bereiche zusätzliche FVGs, iFVGs oder Strukturen entstehen, die deinen Einstieg weiter verbessern können. Suche jedoch niemals auf dem 1H nach einem Setup, das komplett außerhalb deines vorbereiteten 4H Bereichs liegt. Dadurch vermeidest du unnötige Trades und konzentrierst dich ausschließlich auf die Bereiche mit der höchsten Wahrscheinlichkeit.
Praxisbeispiel
Stell dir vor, der Nasdaq reagiert bullisch auf eine Weekly FVG. Anschließend entsteht auf dem 4H eine bullische FVG, die perfekt zu deinem HTF Bias passt. Einige Stunden später korrigiert der Markt zurück in diese Zone.
Auf dem 4H sieht es zunächst so aus, als würde der Markt die FVG leicht unterschreiten. Viele Trader würden an dieser Stelle davon ausgehen, dass die Zone ihre Gültigkeit verloren hat. Öffnest du jedoch den 1H, erkennst du, dass sich innerhalb der größeren 4H FVG eine bullische 1H FVG befindet. Genau diese wird sauber angetestet, bevor der Markt seine Aufwärtsbewegung fortsetzt.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, warum ich beide Zeiteinheiten immer gemeinsam betrachte. Der 4H liefert mir den Bereich, in dem ich aufmerksam werde. Der 1H hilft mir anschließend dabei, die Reaktion innerhalb dieses Bereichs besser zu verstehen und präziser einzuordnen. Erst das Zusammenspiel beider Ebenen ermöglicht mir eine Analyse, die sowohl den Überblick als auch die notwendigen Details berücksichtigt.
‍

